VOCs wie Lösungsmittel und Formaldehyd im Haushalt durch Farben und Einrichtungsgegenstände
Luftqualität

VOC-Quellen im Haushalt

Es ist nicht immer einfach genau nachzuvollziehen, was alles unter den Begriff VOCs fällt. Dies geht darauf zurück, dass viele verschiedene Substanzen unter diesen breiten Sammelbegriff fallen, die auf eine Bandbreite von Quellen zurückzuführen sind. Was also können VOC-Quellen im Haushalt sein?

Autor:

Isabel Rüger

Datum:

27.1.2021

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Unter VOCs (Volatile Organic Compounds / flüchtige organische Verbindungen / flüchtige Kohlenwasserstoffe) sind viele verschiedene Substanzen zusammengefasst – siehe dazu unseren Blog-Artikel über VOCs oder unser Wiki über VOCs.

Bei geringen Konzentrationen sind VOCs in der Regel komplett geruchslos und deswegen nicht wahrnehmbar, können jedoch bereits je nach Art und Quelle gesundheitsschädlich sein. Flüchtige organische Substanzen können aber gemessen werden: VOCs werden oft mittels eines resistiven Sensors gemessen – so auch im air-Q. Moleküle, die auf die Oberfläche des Sensors gelangen, verursachen eine Änderung des elektrischen Widerstandes im Sensor, der in einen Messwert umgerechnet wird. Querempfindlichkeiten sind ein unvermeidbares (und in dem Fall gewünschtes) Merkmal dieses Messprinzips. Der hochwertige VOC-Sensor im air-Q ist auf Alkohol (Ethanol) kalibriert und reagiert auch auf andere VOCs wie Aldehyde, Keton, Toluol, Benzol, Aceton sowie Wasserstoff und Methan und andere.

Insbesondere poröse Oberflächen können VOCs leichter freisetzen und sie ebenso von anderen Materialien aufnehmen. Aufgrund ihres flüchtigen Charakters sind VOCs sehr instabil, was zur Folge hat, dass sich die Umstände, unter denen Emissionen freigesetzt werden und wie hoch diese sind, großen Schwankungen unterliegt. Aufgrund unterschiedlicher Belüftungsgegebenheiten und potenzieller künstlicher Quellen können VOCs in Innenräumen häufig schädlicher sein als im Freien.

Um einen gestiegenen VOC-Wert interpretieren zu können, bedarf es ein wenig Geschick und Kenntnis von Quellen flüchtiger organischer Verbindungen. Im Folgenden werden mögliche VOC-Quellen im Haushalt betrachtet, um einen Überblick zu geben. Häufig sind in jeder Räumlichkeit einige Materialien, Einrichtungsgegenstände oder Geräte zu finden, die VOCs enthalten.

Farben & Lacke

Dämpfe von Farben sind vermutlich eine der bekanntesten VOCs und entstehen beim Mischen sowie während des Trocknens. Bei Farben und Lacken werden bestimmte Verbindungen verwendet, sowohl um sie vor dem Gebrauch flüssig zu halten als auch um einen schnelleren Trocknungsprozess zu gewährleisten, nachdem sie aufgetragen wurden.

Farben, Lacke, Abbeizmittel sowie Dichtungsmasse enthalten eine große Menge an Chemikalien, von denen viele giftig sein können, wenn der Mensch ihnen über einen längeren Zeitraum hinweg ausgesetzt ist. Beispielsweise können einige mittlerweile verbotene Verbindungen in Farben immer noch ein Risiko darstellen, da auch nach Jahren u. a. Toluol, Benzol oder Aceton ausgasen kann. Viele VOCs in Farben, Farbverdünnern und Lacken geben einen als unangenehm empfundenen Geruch ab, der darauf hinweist, dass vermehrt Ausgasungen emittiert werden. Trotzdem sollte bedacht werden, dass das Fehlen eines solchen Geruchs nicht bedeutet, dass keine VOCs mehr freigesetzt werden.

Um den VOCs von Farben nicht so stark ausgesetzt zu sein, sollte während und nach dem Streichen natürlich für eine ausreichend gute Belüftung in den Räumen gesorgt sein. Außerdem kann das Tragen von Schutzausrüstung für Augen, Mund und Hände dafür sorgen, dass das Einatmen und der Oberflächenkontakt minimiert werden. Neuere Produkte erleichtern zudem die Reduktion von VOC, da einige Marken mittlerweile einen niedrigeren VOC-Gehalt aufweisen. Dennoch sind selbst VOC-arme oder VOC-freie Farben auch nicht unbedingt vollständig frei von diesen Verbindungen.

Bodenbeläge

Während Materialien wie Farbe verstärkt zu Beginn der Anwendung dazu neigen, VOCs abzugeben, ist bei Bodenbelägen vor allem die langfristige Nutzung problematisch. Insbesondere Fußböden aus Vinyl, Teppich, Holz und Holzwerkstoffen können nach ihrer Verlegung noch über Jahre VOCs emittieren. Formaldehyd ist eine der häufigsten VOCs, die in Fußböden verwendet werden, denn es ist vielfach ein Bestandteil des Materials, vor allem bei Vinyl, Laminat oder behandeltem Hartholz. Außerdem wird es auch in der Dichtmasse verwendet, welche den Boden vor Verschleißschäden schützt.

Die Häufigkeit der Benutzung bzw. Abnutzung kann ausschlaggebend dafür sein, wann und wie viel von dem Bodenbelag emittiert wird. Aufgrund des regelmäßigen Kontakts mit Personen und der dadurch einhergehenden Abnutzung, nimmt die Freisetzung von VOCs auch aufgrund von Oberflächenverschleiß mit der Zeit zu.  Ebenso spielen Klebstoffe, die zum Abdichten des Materials auf dem Unterboden verwendet werden, eine Rolle, da diese auch VOCs enthalten können.

Möbel

Wie bei Bodenbelägen können bei Möbeln während des Herstellungs- oder des Behandlungsprozesses nach dem Bau VOCs entstehen. Vor allem Möbelstücke aus Sperrholz oder Spanplatten enthalten höhere Mengen an Formaldehyd und Toluol. Polstermöbel werden häufig aus Polyurethan-Schaumstoff hergestellt, der u. a. mit VOCs sowie SVOCs (Semivolatile Organic Compounds / schwerflüchtigen organischen Verbindungen) in Zusammenhang steht. Bei Oberflächenbeschichtungen von vielen Polstermöbeln oder Matratzen – um z. B. Flecken zu vermeiden oder sie schwer entflammbar zu machen – sind normalerweise auch VOCs enthalten. Ferner gibt auch Büromobiliar Ausgasungen ab, insbesondere die aus Kunststoff bestehenden Bauteile. In Büroräumen entstehen außerdem zusätzlich noch weitere VOCs durch Drucker und Kopierer.

Um VOC-Emissionen zu verringern, kann es hilfreich sein, z. B. Möbel aus Massivholz (und keine Spanplatte) zu wählen. Ebenso kann der Kauf gebrauchter Möbel helfen, da Ausgasungen des Mobiliars mit der Zeit abnehmen. Einige Matratzen können tendenziell mehr Toluol enthalten, weswegen sie vor der Nutzung etwas Zeit zum Ausgasen benötigen. Dies ist besonders wichtig bei Betten für Babys, Kindern, älteren Menschen sowie Personen, die unter chronischen Atemproblemen oder weiteren Krankheiten leiden.

Typischer Verlauf von VOC im Wohnzimmer
Typischer Verlauf von VOC im Wohnzimmer

Reinigungs- und Desinfektionsmittel

Beim Einsatz von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln kommt man auch häufig mit VOCs in Kontakt. So erzeugen beispielsweise Bleichmittel, Ammoniak und andere Lösungsmittel stark riechende VOCs. Viele Reinigungsmittel enthalten VOCs wie Isopropanol oder Aceton. Z. T. werden einigen Reinigern Duftstoffe hinzugefügt, um den Geruch der chemischen Dämpfe zu überdecken. Allerdings handelt es sich auch bei diesen Düften um VOCs.

Die Verwendung von Reinigungsprodukten mit geringerem VOC-Gehalt ist eine der einfachsten Möglichkeiten, um VOC-Emissionen zu senken. Einige Studien zeigten jedoch, dass es bei parfümfreien Reinigungsmitteln schwieriger sein kann, die Ansammlung von VOCs in den zu reinigenden Materialien zu beseitigen. Ein Balanceakt also den richtigen Weg zu finden. Zudem sollte die Nutzung aggressiver Chemikalien nicht ohne geöffnete Fenster oder Türen bzw. unter laufender Lüftung erfolgen.

Chemische Reinigung

Bei der chemischen Reinigung von Kleidungsstücken, Polstern oder andere Textilien erfolgt dies meist unter der Nutzung von Perchlorethylen (PER) – einer Substanz, die VOCs freisetzt und umwelt- sowie gesundheitsgefährdend ist. Da meist eine kleine Menge des Reinigungsmittels in den Textilien zurückbleibt, können auch diese weiterhin VOCs emittieren.

Einige chemische Reinigungen bieten mittlerweile eine alternative – inzwischen auch mit dem Blauen Engel ausgezeichnete – Methode an und reinigen mit Kohlendioxid als Reinigungsmittel.

Körperpflegeprodukte

Viele Körperpflegeprodukte enthalten Paraffin, welches aus Erdöl gewonnen wird und VOCs enthält. Dies kann die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Auswirkungen erhöhen. Zu den Produkten, in denen üblicherweise VOCs genutzt werden, zählen Nagellack, Nagellackentferner, Cremes und Lotionen, Deodorants, Shampoos oder Parfüms. Aufgrund ihres Anwendungsbereichs enthalten diese Körperpflegeprodukte häufig starke Duftnoten, um unangenehme Gerüche zu überdecken. Ein angenehmer oder auch überhaupt kein Geruch bedeutet jedoch keinesfalls, dass ein Produkt frei von VOCs ist.

Die Verwendung von Produkten mit geringerem VOC-Gehalt ist eine der einfachsten Möglichkeiten, um VOC-Emissionen zu senken. Naturprodukte enthalten tendenziell weniger oder eher unschädliche VOCs.

Kunststoffe

Die VOC-Emissionen von Kunststoffen im Haushalt sind relativ hoch, aufgrund des häufigen Materialgebrauches und der Tatsache, dass sie sehr leicht Chemikalien bzw. VOCs in Flüssigkeiten abgeben. Kunststoffe treten in vielerlei Form auf, z. B. in Spielzeug, Küchenutensilien oder technischen Geräten. Viele Kunststoffe im Haushalt werden aus Polyvinylchlorid (PVC) hergestellt, welche sogenannte Phthalate abgeben können, die vor allem als Weichmacher für Kunststoffe eingesetzt werden. Lebensmittel und Wasser werden oft in Plastikbehältern gelagert, die mit der Zeit VOCs in die Nahrung oder das Wasser abgeben können. Das Befüllen von Kunststoffbehältern mit heißem Inhalt, der Gebrauch einer Mikrowelle oder eines Geschirrspülers kann zusätzlich die VOC-Emissionen in der Luft noch erhöhen.

Bastelbedarf

Auch Produkte des Freizeit- und Hobbybedarfs können häufig ebenfalls VOCs beinhalten und diese mit der Zeit freigeben; dazu zählen u. a. Klebstoffe (insbesondere Sprühkleber), Modelliermasse sowie die bereits oben erwähnten Farben, Lacke, Beschichtungen und behandelten Holzprodukte. Einige Materialien emittieren VOCs während ihres Aushärtungsprozesses und geben anschließend weniger oder keine mehr frei, sobald sie vollständig getrocknet sind.

Wie auch bei anderen Materialien ist der Zeitraum, in dem man VOCs ausgesetzt ist, von Bedeutung. Vor allem bei kleinen Kindern ist im Hobbybereich besonders darauf zu achten.

Natürliche VOC-Quellen

Neben den bereits aufgezählten VOC-Quellen, die vor allem menschlichen Ursprungs sind, gibt es einige VOCs, die auf biologische Quellen zurückgehen. Dazu zählen u. a. Schimmel, Pflanzenöle, Erde, Tierhaare, tierischer Kot, Gülle sowie Fäulnis- und Abbauprozesse.

Um einen Anstieg der VOCs aus organischen Quellen im Haushalt zu verringern, sollte bei der Reinigung von z. B. Kleidung, Bettwäsche und anderen Textilien darauf geachtet werden diese bei hohen Temperaturen zu waschen, um Bakterien, Schimmel, Mehltau und andere Rückstände abzutöten. Um eine weitere VOC-Quelle zu eliminieren, sollte das Einstreu von Haustieren ebenfalls regelmäßig gewechselt sowie Tierhaare entfernt werden.

Im häuslichen Umfeld gibt es kaum Gesetze für den Umgang mit VOCs, da die Wirkung stark von der Art des Stoffes abhängig und ihre Überwachung und Kontrolle relativ schwierig ist. Zwar können die Hersteller gesetzlich in der Menge an verwendeten Schadstoffen eingeschränkt sein, die ihre Produkte über einen bestimmten Zeitraum als VOCs emittieren dürfen. Jedoch sind Haushalte nicht an solche Grenzen von VOC-emittierenden Materialien, die sie in einem bestimmten Raum oder in ihren Häusern im Allgemeinen nutzen, gebunden. Dementsprechend ist es wichtig darauf zu achten, welche Produkte und Materialien gekauft und im Haushalt verwendet werden. Zu beachten sind auch die Empfehlungen des Umweltbundesamtes zu Grenzwerten von VOCs.

Titelbild: Pixabay / Sarah Lötscher

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