Luftreiniger Florafilt und Luftanalysator air-Q in Lounge mit Bücherregal
Testmessungen

Luftreiniger: air-Q misst Florafilt

Mit der Entwicklung des air-Q widmen wir uns voll und ganz dem Kampf um gesunde Raumluft. Um diesen noch effizienter führen zu können, sind wir auch immer auf der Suche nach vielversprechenden Mitstreitern. Dabei halten wir die Augen offen nach Innovationen wie Luftreiniger-Technologie, die uns dabei helfen, die Qualität der Atemluft zu verbessern.

Autor:

Maria Heß

Datum:

2020-05-27

nach-unten

Eine dieser Ideen stammt von Florafilt, einem Luftreiniger-Startup aus der Nähe von Cottbus im Spreewald. Gründer Reinhard Mietusch hat mit seinem Team einen biologischen Luftreiniger entwickelt, der die Pflanzenwurzeln viel stärker zur Luftfilterung benutzt als herkömmliche Alternativen, die nur das Blattwerk einbeziehen. Die Raumluft wird einen kleinen Ventilator in den Luftreiniger gezogen und aktiv über das Wurzelwerk der Pflanzen geführt. Das Verfahren soll bei der Reinigung der Luft die 20-fache Wirkung entfalten und flüchtige organische Verbindungen (VOCs) aus der Atemluft filtern. Zusätzlich soll sich auch die Luftfeuchtigkeit schnell auf ein gesundes Maß erhöhen.

Ausgangspunkt für die funktionierende Luftreinigung ist die verlässliche Analyse der Luftqualität. Daher haben wir unser Luftmessgerät air-Q für Testmessungen mit dem neuesten Florafilt-Gerät „Apollo“ zur Verfügung gestellt. Ziel des Tests war, herauszufinden, wie gut die Erfindung ein giftiges VOC, wie Toluol, aus der Luft filtern kann. Daneben wurde auch untersucht, wie sich die Luftfeuchtigkeit im Testraum der Technischen Universität Dresden verändert.

Florafilt Messung TU Dresden
air-Q misst Apollo

Aromatischer Kohlenwasserstoff Toluol

Toluol zählt zu der Gruppe der aromatischen Kohlenwasserstoffe und fällt damit in die Kategorie der  VOCs. Andere geläufige Namen für die Chemikalie sind Retinaphtha, Methylbenzol und Phenylmethan. Toluol dient vor allem als Lösungsmittel in Farben, Lacken, Druckfarben und Klebstoffen.

Bei Toluol handelt es sich um eine farblose, charakteristisch riechende und flüchtige Flüssigkeit. Sie verbrennt mit einer stark leuchtenden und rußenden Flamme und bildet nicht nur leicht entzündliche, sondern sogar explosionsfähige Dampf-Luft-Gemische. Der Flammpunkt liegt bei 6°C -  diese charakteristische Eigenschaft wird auch in der Herstellung des Sprengstoffs TNT genutzt. Sowohl Benzin als auch Erdöl enthalten Toluol. Darüber hinaus kann es bei unvollständigen Verbrennungsprozessen entstehen, wie beispielsweise beim Rauchen von Zigaretten.

Das Einatmen von Toluol-Dämpfen kann erhebliche, gesundheitliche Schäden hervorrufen. Neben Reizungen von Augen und Atemwegen und der Gefahr allergischer Reaktionen, können unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Unwohlsein sowie Störungen der Empfindungen wie auch der Bewegungskoordination bis hin zur Bewusstlosigkeit auftreten. Darüber hinaus verursacht Toluol Nervenschäden und greift die Nieren sowie die Leber an. Es gilt als fortpflanzungsgefährdend und kann in größeren Mengen sogar tödlich sein.

Die narkotisierende Wirkung von Toluol kann Heiterkeits- und Erregungszustände erzeugen. Regelmäßiger Kontakt kann süchtig machen.

Um die Gefährdung durch Toluol zu reduzieren, wurden Grenzwerte eingeführt. Die Europäische Union einigte sich auf einen Acht-Stunden Mittelwert von 192 Milligramm pro Kubikmeter (mg/m³)beziehungsweise 50 Parts per Million (ppm) sowie einen Kurzzeitgrenzwert von 384 mg/m³ beziehungsweise 100 ppm.
Die MAK-Kommission empfiehlt als Maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK) 50 ml/m³ beziehungsweise 190 mg/m³.

Luftreiniger-Messung an der TU Dresden

Die Entwickler von Florafilt untersuchten beim viertägigen Test an der TU Dresden mit ihrem Luftreiniger „Apollo“, ob die Toluol-Konzentration in einem geschlossenen Raum signifikant reduziert werden kann.

Dazu wurde zunächst die Luftqualität in dem zirka sieben Quadratmeter großen Testraum über einen Tag verfolgt, um periodische Effekte zu erkennen. Anschließend wurde das Gas Toluol kontrolliert in den Raum geleitet.

Am ersten der insgesamt vier Testtage wurde geprüft, inwieweit diese Konzentration durch die im Raum befindlichen Pflanzen aber ohne die Hilfe des Luftreinigers „Apollo“ absinkt. Dabei konnte kein Rückgang des Toluol-Wertes gemessen werden.
Am Tag darauf wurde der Versuchsaufbau wiederholt, wobei dieses Mal der biologische Luftreiniger in Betrieb genommen wurde. Auf der vom air-Q aufgezeichneten Verlaufskurve ist deutlich zu erkennen, dass „Apollo“ den VOC-Wert erheblich schneller und stärker absenkte. Zugleich sorgten die Pflanzen im Raum für die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit.

Besonders spannend für uns war bei diesem Versuch, dass Florafilt für die Tests sowohl unseren air-Q als auch ein Spezialmessgerät für ausschließlich Toluol von Dräger (Typ X-am 8000) verwendete. Bei der Qualität der Messergebnisse konnte der air-Q gut mithalten mit dem sehr kostspieligen Spezialgerät. So misst der air-Q beispielsweise sekundengenau. Und der von uns speziell ausgesuchte VOC-Sensor im air-Q reagierte sehr gut und stark auf das gefährliche Toluol. Auf der Messkurve unseres air-Q ist das am schlagartigen Anstieg der VOC-Konzentration deutlich abzulesen.

Messkurven für VOC und relative Luftfeuchte bei air-Q (links) und für relative Luftfeuchte bei Dräger (rechts)

Bei den Möglichkeiten zur Messung und zur Auswertung hat der air-Q darüber hinaus einige Vorteile. So überwachte der air-Q parallel weitere Parameter und setzte sie miteinander in Beziehung. Ein Resultat: So konnten die positive Auswirkungen des „Apollo“ auf die relative und absolute Luftfeuchtigkeit nachgewiesen werden.

Zudem konnte Florafilt sicher sein, dass sich keine anderen, störenden Schadstoffe in der Testkammer befanden. Im Endeffekt trug unsere Spürnase air-Q somit entscheidend zu präzisen und zufriedenstellenden Testmessungen des „Apollo“ bei.

(Titelbild: Florafilt)

air-Q Luftqualität Messgerät

Luftqualität, alle Luftbestandteile und Umwelteinflüsse mit dem air-Q überwachen. Für Ihre Gesundheit und Sicherheit.